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CityGlow Hamburg Juni 2022

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Erstellt für die, die eine gute und exklusive Mischung aus regionalen Themen aus Hamburg und Umgebung schätzen. Hier erfahren Sie nicht nur das Neuste aus der Mode und Luxuswelt sondern auch Freizeit, Kunst, Kultur, Wohnen und kulinarisches findet hier Platz. Genießen Sie jede Seite unserer Juni Ausgabe.

Diesmal in der Kolumne

Diesmal in der Kolumne unserer Buchbloggerin: Der Roman "Die Lange Stille" von Irmin Burdekat Wie jedes Jahr im Frühling wird der Buchmarkt mit zahlreichen Novitäten überströmt! Damit ihr euch nicht durch alle Verlagsprogramme wühlen oder in der Buchhandlung auf einen Glücks-Zufallsgriff hoffen müsst, möchte ich euch meinen ganz persönlichen Lesetipp vorstellen. Was empfiehlt man nun jedoch als Buchbloggerin, die eigentlich weiß: Es gibt für jeden das richtige Buch, Geschmäcker sind verschieden und das Leben ist zu kurz für Bücher, die dir nicht entsprechen? Also las ich mich durch einen großen Stapel an Neuerscheinungen und entschied mich für ein – von mir gerne als Spül-Tap-Buch – bezeichnete Lektüre. Was damit gemeint ist? Genau: 3 in 1. Man nehme eine Lebensgeschichte, addiere eine Portion Humor, stelle sicher, dass sich ein schelmischer Protagonist in eine rasante Liebesgeschichte verwickelt und sorge für einen – dramaturgisch intelligent aufbereiteten – Spannungsbogen. Raus kommt: "Die Lange Stille", der mittlerweile zweite Roman und insgesamt das vierte Buch des Autors Irmin Burdekat. Nach „Hast du mal die Kanuschlüssel“, welches die Abenteuerreise in die kanadische Wildnis des Hamburger Künstlers Christian Pfaff und dem Schriftsteller Irmin auf humorvolle Art und Weise schildert, sowie der Verarbeitung von autobiografischem Stoff in „Tisch 17 isn Arsch“ folgte im Jahr 2020 „Der Katholische Bahnhof “. Wer mit der Lektüre des Geschichtenerzählers bereits bekannt ist, wird die Handschrift des Autors auch in seinem neuen Werk „Die Lange Stille“ unabstreitbar wiedererkennen. „Irmin Burdekats rasante Sprache und humorvolle Erzählweise (»Bin kein Typ für Stuhlkreise.«) nehmen den Leser mit auf einen wilden Ritt über steile Erfolgsleitern und tiefe Abgründe.“ — Dr. Roland Siekmann Worum geht es nun aber? „Die Lange Stille“ erzählt die Geschichte des draufgängerischen Werner Webers und ist gespickt mit Höhenflügen und Eskapaden. Gemäß der Maxime „immer cool bleiben“ schlägt sich Werner durch – auch, als ihn die kultivierte „lange Stille“ Karin zum Tanzpartner für den Abschlussball erwählt. Der Beginn einer ungewöhnlichen Beziehung, die Irmin Burdekat als schräg-amüsante Coming-of-Age-Geschichte und Lebensbeichte mitten in den 80ern verpackt. Burdekats Roman folgt Werner in die bunten Schlachten des Lebens, bis der gewitzte Chaot im Laufe der Jahre in diverse Fallen tappt und sein Leben eine Kehrtwende macht. Zunächst fliegt Werner kurz vor dem Abi von der Schule. Er beginnt eine Ausbildung, schreibt bald bezahlte Musik-Kolumnen und wird, dank seiner Geistesblitze und Macher-Qualitäten, erfolgreicher Inhaber einer Werbeagentur. Die Beziehung zur zielstebigen Karin läuft und tut ihm gut, obwohl sie einen völlig anderen Weg einschlägt. Bis Karin aus gutem Grund genug hat und aus seinem Leben verschwindet. Eine Zäsur für Werner, was ihn jedoch nicht davon abhält sich weiterhin voll Gas voraus auf der Überholspur zwischen jugendlichem Leichtsinn und überbordendem Ehrgeiz zu verausgaben. Und so kommt es, wie es kommen muss: Hochmut kommt immer vor dem Fall. Wie die persönliche Exit-Strategie des ‚Pausenclowns vom Schulhof ’, des Tanzkurs-‚Kaspers’, des ‚Schnackers der Nation’ und aufgekratzten Sprücheklopfers aussieht, bleibt bis zum Schluss offen und werde ich euch hier wohl kaum verraten! Was ich euch jedoch verraten kann, ist: Für all diejenigen, die nicht lesen wollen, gibt es das Ganze auch als Hörbuch, gesprochen von Meik Spallek! 32 CITYGLOW

Das Interview Und weil ich nur allzu gerne nicht nur ins Buch sondern auch auf die Menschen dahinter blicke, beantwortet uns Irmin Burdekat meine Fragen direkt einmal persönlich! Genau die passenden Worte zu finden, um charakterstarke Figuren zum Leben zu erwecken, ist unverkennbar dein Talent. Nun aber zu deiner Person: Wie würdest du dich in drei Worten beschreiben? Nix-Ernstnehmer, Vielmacher und Nix-Richtigkönner (Sorry, sind drei Worte). Nicht zuletzt wegen der authentischen Schreibweise lässt sich vermuten, dass einige Inhalte aus deiner direkten Lebenswelt entspringen. Geplante Übernahme oder unvermeidbarer Zufall? Intuition, Verknüpfung von Bauch- und Hirnsteuerung. Dein Protagonist Werner Weber gründet eine Agentur und mausert sich zum König der Werbeslogans. Wir würde er dein Buch „Die lange Stille“ vermarkten? Gar nicht. Der übernimmt nur erfolgsträchtige Aufträge. Mit welcher deiner Figuren würdest du gerne mal ein Bier trinken gehen? Und warum? Mit der Langen Stillen. Muss eine tollte Frau sein. Schade, dass ich sie nur als Buchfigur kenne. Werfen wir doch mal einen Blick auf deine Fähigkeiten abseits des Schreibens. Was kannst du, das die meisten anderen Menschen nicht können? Das wüsste ich auch gerne! Was ist dein Lieblingszitat? Lieber eine Taube im Bett, als ein Spatz auf dem Dach. Im Buch spielt Musik eine wichtige Rolle. Welchen Bezug hast du privat zu Musik? Musik machen und hören kommt gleich nach Essen und Betrinken. Jetzt interessiert uns natürlich auch: Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, welche? Nein!!! Das geht gar nicht. Schreiben läuft bei mir nur mit höchster Konzentration. Apropo Schreibprozess: Steht deine Geschichte von Beginn des ersten Satzes an fest oder entwickelt sie sich erst mit der Zeit? Sie steht fest und entwickelt sich dann. Also: Skelett ist da, Fleisch muss mühsam dran getextet werden. In deinem Roman sind auch immer wieder gesellschaftskritische Verweise eingebunden. War dies ein gestalterisches Mittel zum Zweck oder viel mehr das Bedürfnis auf relevante (politische) Themen hinzuweisen? Nö, ich provozieren gerne und fühle mich freier, ohne festgelegte Meinungen. Ach, und ich nehme gern Gegenpositionen ein. Und zu guter Letzt noch die feine Frage: Was hat Irmin Burdekat mit Hamburg am Hut? Ich wohnte mal vor 45 Jahren (durch Zufall!!!) auf`m Süllberg. Als Prolet im Bozenviertel - das war lustig! Na, und dann habe ich hier und da mal Gastronomie betrieben bzw. betreibe sie noch. Als Oldenburger Junge war bzw. ist Hamburg natürlich immer wie ein Flug zur Milchstraße. Ein wirklich gutes Herren-Duo: Irmin Burdekat mit seinem langjährigen Hamburger Freund und Künstler Christian Pfaff. „Ich bin hin- und hergerissen, ob ich den Romanhelden Werner Weber mögen oder hassen soll. Der stolpert mit der Gunst diverser Zufälle, einer bis zur Selbstzerstörung neigenden Chuzpe und einer ordentlichen Portion Bekloppheit durchs Leben. Mal ist er vorausschauend und Trendsetter, mal ist er so blind, dass er noch nicht mal das Offensichtlichste mitbekommt. Ich könnte mit dem Fingernägelkauen anfangen – und das muss man erstmal hinkriegen. Gut gemacht, Herr Burdekat.“ – Christian Pfaff, Hamburger Künstler Wer ist eigentlich dieser Pfaff? Christian Pfaff, Hamburger Galerist, Schreiber und Burdekatversteher. Betreibt den experimentellen Kunstraum Oberfett und ist Fan von Single Malt und Katzen. Mein persönlicher Tipp: Abbonniert seinen Newsletter: - es lohnt sich! www.oberfett.de Zum Autor: www.irminburdekat.de CITYGLOW 33

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